Eros – in unseren Zeiten? Eine Polemik

DGPA Wien 24. – 27. Oktober 2013 Sexus und Eros

Anna Schoch

Eros – in unseren Zeiten? Eine Polemik

Die Götter der griechischen Mythologie sind eigentlich Personifikationen von Motiven bzw. Energien oder Kräften die in uns wirken. Dieses Prinzip würde C. G. Jung wohl Archetypen [1] nennen. Jeder Gott steht für eine wichtige oder schicksalhaft erlebte Lebenssituation, mit der wir uns alle irgendwann einmal auseinandersetzen müssen. (Parallelen zum Heiligenhimmel sind unübersehbar.) Heroen sind die sterblichen Untertanen dieser Götter. Ihr jeweiliger Mythos gibt uns Kunde davon, welche Folgen Widerstand gegen ihren Willen oder ihre Launen hat. Ein anschauliches Beispiel bietet Goethe im Gedicht „Prometheus“. Es handelt von der mythischen Zeit, in der Heroen noch persönlich mit ihren Göttern verkehrten; ganz ähnlich wie im Alten Testament. C.G. Jung beschreibt in seinem Buch „Antwort auf Hiob“ diesen launischen Gott, der den archaischen Göttern ähnelt, und erst durch die Emanation von Jesus eine Weiterentwicklung erfährt.

Hesiod, der etwa um 700 v. Chr. als Dichter und Philosoph in Alexandria lehrte, versuchte erstmals einen Stammbaum der griechischen Götter zu erstellen. Darauf bauten die späteren Geschichtsschreiber und Dichter auf. Aus dem Chaos entsteht die erste Göttergeneration: Gaia/Erde, Tartaros/Unterwelt, Eros/Liebe, Erebos/Finsternis und Nyx/Nacht. Eros, die Liebe ist also einer der ersten und damit bedeutungsvollsten Götter.

In der Komödie „Die Vögel“ von Aristophanes (414 v.Chr.) schlüpft Eros aus einem Ei, das die schwarzgeflügelte Nacht gelegt hat. Eros hat aber goldene Flügel und zeugt mit Chaos das Geschlecht der Vögel. Die Flügel verweisen auf die geistige Dimension der Liebe. (Vielleicht sind auch die vulgär-erotische Anspielungen aus diesem Bild entstanden)

Sophokles thematisiert in der Tragödie „Antigone“ den Konflikt zwischen erotischem Begehren und Loyalitätspflichten. Eros veranlasst Haimon, den Sohn des Kreon, sich gegen Antigones Hinrichtung aufzulehnen. Eros wird in dieser Dichtung als „unbesiegt im Kampf“ angesprochen. Damit wird die Überzeugung ausgedrückt, dass der Mensch der Macht des Eros vollkommen ausgeliefert ist.

Auf diese Genealogie müssen wir uns besinnen, wenn wir die aktuellen Aspekte des Eros-Begriffes betrachten wollen. Von Voluptas, der Tochter von Amor und Psyche war zunächst noch keine Rede im Mythos. Die Begierde und die mit ihr verbundene Hoffnung auf Wollust stammen aus einer sehr viel späteren erweiterten Göttererzählung. Heute scheint vom göttlichen Flügelschlag nichts mehr vorhanden zu sein. Wohin hat sich unser Verständnis von Eros entwickelt?

„Die lächerliche und beinahe krankhafte Übertreibung des sexuellen Gesichtspunktes ist an sich ein Symptom einer zeitgenössischen geistigen Störung, die hauptsächlich auf der Tatsache beruht, dass unsere Zeit kein richtiges Verständnis der Sexualität besitzt (…) In Wirklichkeit könnte keine moralische Verurteilung die Sexualität so verhasst machen, wie die Obszönität und die verblendete Geschmacklosigkeit ihrer Überschätzung. Die intellektuelle Plumpheit der sexualistischen Deutung verunmöglicht sogar eine richtige Wertschätzung der Sexualität (…) Vor Freud durfte nichts sexuell sein, jetzt ist alles auf einmal sozusagen „nichts als“ sexuell.“ (Jung, GW 17,100)

 Bei Antigone zum Beispiel, wie in unzähligen anderen Tragödien, bei denen nicht der Inhalt, sondern nur das Zeitalter wechselt, wird immer wieder der Konflikt zwischen Pflicht und der unbezwingbaren Macht der Liebe thematisiert. Liebe zwingt zum Ungehorsam und stellt Loyalitäten in Frage. Liebe entfaltet ungeahnte Kräfte, beflügelt den Geist und regt zu Höchstleistungen an. Eros symbolisiert nicht nur die sinnliche Liebe, sondern auch die Liebe zum Geistigen. Er verlangt nicht nur Freiheit für die Liebe sondern auch die Freiheit sich be-geistern zu dürfen. Es sind die goldenen Flügel, die einen davontragen.

In trockener psychiatrischer Diagnose könnte man dieses Ereignis einfach in den Bereich der „Affektiven Störungen“, ICD10 F30.0 bis F30.2 von „Manie“ – bis „Manie mit psychotischen Symptomen“ einordnen. – Aber wir sollten nicht vergessen, welch großartige Werke in diesem Zustand geschaffen wurden. Man denkt dabei auch unwillkürlich an Csikszentmihálys „Flow“.

In der heutigen Zeit scheint die Allmacht der alten Götter gebrochen zu sein. Wir verlachen sie als Hilfsmittel um unser Schicksal zu bebildern. Wir halten es für absurd, in Dialog mit den archaischen Götterbildern zu treten, dabei wäre das oft sehr hilfreich. „Die Seele ist von Natur aus religiös“, schreibt Aniéla Jaffé in der Einleitung zu Jungs Erinnerungen. Die Abweichung von dieser Grundnatur ist nach C. G. Jung die Ursache vieler Neurosen; besonders im späteren Alter. Dieses Manko ist in unserer Zeit eklatant. Wir glauben, wir könnten alles nach vernünftigen Grundsätzen steuern – und dann stellen wir fest, dass sich vernünftige Menschen ruinieren, wenn sie Amors Pfeil getroffen hat und trotz besseren Wissens ihre gesamte Aufmerksamkeit (nicht selten zum Entsetzen der Angehörigen) auf eine völlig unpassende Person richten und alle Bindungen leugnen. Überkommene gesellschaftliche Normen und Strukturen sind zusammengebrochen. Nicht nur Monarchien, die sich von „Gottes Gnaden“ her legitimierten, sondern auch unsere bürgerliche Gesellschaft ist am Ende. Wir stehen ratlos und leer da, seit der religiöse Rahmen zerbrochen ist. Desorientiert, ohne Werte, ohne gesellschaftlichen Konsens darüber, wie wir uns verhalten müssen, wie wir mit unserem Schicksal umgehen können. Wir haben den großen Gott Eros auf Sexualität (im Mythos seine Tochter Voluptas) reduziert. Wir sind zügellos, aber nicht glücklicher geworden.

Wenn wir beobachten, was sich heute im Internet tut, wenn wir aufhören wegzuschauen und wissen wollen, was unsere Kinder und Enkel dort treiben, werden wir schockiert feststellen: Das haben wir nicht gewollt! Eros? Eine göttliche Macht? Wo ist der Gott der Liebe geblieben? In einer Gesellschaft, in der bereits über 80% der 14- bis 24-jährigen jungen Menschen sexuelle Kontakte über das Internet hergestellt haben, ist Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Die Seelen der Kinder, der jungen Menschen, die glauben mithalten zu müssen, sind trostlos leer. Kinder und Jugendliche reagieren nur noch mit blankem Zynismus. Wir haben „Erotikmessen“ die mit der göttlichen Macht des Eros ungefähr so viel zu tun haben, wie eine holländische Erdbeere, die auf einem mit Nährstoff getränkten Vlies produziert wurde, mit der aromatischen Waldfrucht (sic!). Wir haben so genannte seriöse Nachrichtenorgane, die im Viertelstundentakt, pornographische Inhalte als Nachrichten verkleidet ins Netz stellen. Ein Verweis z.B. nur auf den Medienrummel um den Film „Feuchtgebiete“ oder „Schoßgebete“ dürfte stellvertretend für unzählige ähnliche Machwerke genügen. Religiöse Inhalte, Ekel und Sexualität der untersten Pornoklasse werden gern vermengt und als großer Spaß vermarktet. Was ist daran falsch, wenn es alle machen? Millionen Fliegen können bekanntlich nicht irren.

„Ich bezweifle nicht, daß die Naturtriebe sich im seelischen Gebiete mächtig entfalten, sei es der Eros oder sei es der Machtwille, ich bezweifle aber auch nicht, daß diese Triebe gegen den Geist anstoßen, denn gegen etwas stoßen sie immer an, und warum soll dieses Etwas nicht Geist genannt werden?“ (Jung, GW Bd.4, §776)

Vom echten Eros ist heute keine Rede mehr. Er ist aus dem Bewusstsein verschwunden, zerredet, verkauft, vermarktet. Dabei wird der Liebesgott doch so sehr herbei gesehnt. In jedem Mega-Orgasmus, den man mit dieser oder jener Steigerung der sexuellen Erregung zu erreichen glaubt, erhofft man sich nichts anderes, als die Erfahrung von Entgrenzung und Göttlichkeit. Man weiß sehr wohl, dass man sich dieses Erlebnis nicht kaufen kann, versucht es aber doch immer wieder. Die Werbung dafür ist zu ideenreich und das Geschäft zu lukrativ, um diese Illusion nicht weiter zu nähren versuchen. Es sind Verirrungen, weil man sich innerlich leer fühlt. Leidenschaft findet bestenfalls noch in alten Filmen oder Dramen statt. Aus dem Internet kommen im Minutentakt verlockende Angebote, die Hoffnung wecken, das große Erlebnis könnte sich über die vorgestanzten Liebesanpreisungen einstellen. Der wirkliche Gott verlangt Demut und Hingabe; Eigenschaften, die dem modernen Homo faber bzw. –oeconomicus fremd sind.

Die Vertreibung des ehrwürdigen Gottes Eros hat aber noch andere Folgen: Mit der Entzauberung der Welt (M. Weber) hat sich auch die Schönheit verabschiedet und Hässlichkeit auf allen Gebieten ausgebreitet. Wir haben uns von unserem Begriff von Schönheit, für den die Göttin Aphrodite steht, weit entfernt. Dies bleibt nicht ohne Folgen für unsere innere Befindlichkeit. Das Lob der Schönheit von Ebenmaß und Gesetzmäßigkeiten ist verpönt. Disharmonie ist in der zeitgenössischen Kunst ein Muss. Schönheit und Harmonie sind nicht rein subjektive Werturteile sondern sinnlich erfahrbare Tatsachen, die eine beruhigende und heilende Wirkung entfalten. Der Verbrauch unserer natürlichen Umgebung nach rein nützlichen Erwägungen, die Abscheulichkeit moderner Städtearchitektur, die gleichförmigen „Designer-Wohnungen“, deren Hauptmerkmal fade Farbgebung und Leere ist, erzeugen Stress und Aggression, verderben die Laune und Lust am Leben. Es sind meist politische Ideologien, die alles Erhabene, alles über die Banalität des Alltags hinausgehende, aus dem öffentlichen Erscheinungsbild ausmerzen wollen. Ein Beispiel ist die Kulturrevolution in China, in der unwiederbringliche Kunstwerke zerstört wurden. Politiker haben immer die Definitionsmacht für alles was im öffentlichen Raum als schön oder hässlich zu gelten hat, an sich gerissen. Dies war schon im alten Ägypten so, als die Tempel der thebanischen Götterdreiheit Amun, Mut und Chons durch Pharao Echnaton beseitigt wurden. Stattdessen wurde Aton, der Sonne, als höchstem Gott gehuldigt.

In unserer Zeit sprengten die Taliban uralte Buddha-Figuren und die DDR-Regierung das Berliner Schloss, Die IS-Truppen zerstören antike Tempel und Statuen um jede Erinnerung an die vorherigen Kulturen auszulöschen. Damit wird der Sieg über die vorhergehende Macht mit einer neuen Gewalttat dokumentiert, die bekanntlich – wir kennen dieses Gesetz aus Schillers Wallenstein – „fortzeugend, immer Böses muss gebären.“

Als die Menschen noch mit sich und den Göttern in Harmonie lebten, entstanden die größten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte. Wir sind bis heute noch nicht über die ägyptischen, hellenistischen oder gotischen Tempel- und Kirchenbauten hinausgekommen. Es hilft selbst die gewagteste moderne Architektur nicht, wenn der göttliche Funke fehlt. Sie kann nicht jenen religiösen Schauer in uns erzeugen, den wir beim Betreten einer alten Kathedrale empfinden. Um solche Bauwerke errichten zu können, brauchen wir die Liebe des geflügelten Eros, den Mut zu und die Demut vor einer weit höheren Macht.

„Die viel geschmähten und verdächtigen Ästheten verfügen über eine schreckliche Gabe, die äußere Gestalt einer Sache, eines Vorganges, eines Gedankens enthüllt ihnen mit Sicherheit die innere Wahrheit des Angeschauten.“ (Mosebach)

Was hat das alles mit unserer Anschauung von Erotik in unseren Zeiten zu tun? Wir haben unseren Eros ebenso verloren wie unsere Götter. Wir sind hilflos und orientierungslos unseren Emotionen ausgeliefert und wir glauben, wir könnten durch möglichst häufige, rein physische Triebabfuhr, das Dilemma lösen. Die Folge ist seelische Verrohung. Der Gott der Süchte hält unsere Physis aufrecht. Unsere Verzweiflung bekämpfen wir mit Antidepressiva, unsere Hilflosigkeit ertränken wir in Alkohol – unsere wirklichen Bedürfnisse verleugnen wir.

Es gibt eine Therapeutenregel, für scheinbar aussichtslose Situationen: Man muss den Mut haben, den Patienten so weit in die Verzweiflung zu treiben, bis er selbst eine Lösung anbietet. Ein unbequemer Rat, der nicht gern befolgt wird, weil es sicher irgendwo wieder eine angeblich schmerzfreie Lösung zu kaufen gibt. Man kann die Verzweiflung allerorten erkennen, gerade in Arztpraxen und Kliniken, dennoch machen wir alle wie gewohnt, weiter. All die Freizügigkeit hat ja auch ihre fröhlichen Seiten; – bis das eigene Kind im Alkohol- oder Drogenkoma aufgegriffen, oder mit einer schweren Geschlechtskrankheit konfrontiert wird.

Seit der Zusammenhang von Sexualität und Fortpflanzung entkoppelt wurde, ist die gesamte Wertewelt die den Umgang der Geschlechter miteinander regelte, aus den Fugen geraten. Man kann die Geschlechterspannung nicht durch Gleichmacherei weg diskutieren. Sie bleibt eine Tatsache und hat nichts mit den Emanzipationsbemühungen der Frauenbewegung zu tun. Einerseits wirken in uns noch die Wertvorstellungen des 19. Jahrhunderts. (C. G. Jung: „Die Seele ist konservativ.“) – andererseits leben wir in einer ganz anderen Wirklichkeit. Wir wünschen uns für unsere Töchter einen tüchtigen Mann und für unsere Enkelkinder verlässliche Eltern. Dabei hält heute kaum noch eine Ehe für ein ganzes Leben. Selbst in Kirchen wird das Versprechen „bis zum Tode“ nicht mehr unbedingt abgenommen. Scheidung und Trennung werden einkalkuliert. Die alten Modelle halten nicht mehr – und selbstverständlich ist der Seitensprung eher eine lässliche Sünde. Früher war er ein Sakrileg, das die existentielle Vernichtung zur Folge hatte. Man muss nur bei der Nachbarin muslimischen Glaubens nachfragen.

Sexualität, darin hat Sigmunds Freud Recht behalten, wurde tatsächlich eine Art von Religionsersatz im 20. Jahrhundert. Aber sie ist eben nur der Ersatz und nicht das Original. Wir wünschen uns immer noch das „Mysterium tremendum“ (Rudolf Otto), das Numinose, das mit Ergriffenheit aber auch Ambivalenz, Angst und einem Schauder einhergeht, wenn ein Mensch vom Gott Eros berührt wird. Der Mythos bleibt. Er wird immer wieder mehr oder weniger verschämt in Filmen oder Romanen neu interpretiert werden – und die Leute werden applaudieren, auch wenn sie nicht wissen warum; aber doch etwas ahnen. Der Mythos wird nie ganz erlöschen, denn einen Gott kann man nicht wegdiskutieren. Er gehört zur Menschheit. Es sei denn man vernichtet die Menschheit, die – zumindest im Westen – zu dem verkommen ist, was Max Weber als „Fachmenschen ohne Geist, Genussmenschen ohne Herz“ beschrieben hat. Davor wird uns – so hoffe ich – der goldgeflügelte Gott Eros bewahren, oder – wie Weber vermutet: „…ganz neue Propheten oder eine mächtige Wiedergeburt alter Gedanken und Ideale …“.

Eros ist ein Urinstinkt, eine Grundlage des Lebens. Wir sollten nicht leichtfertig damit umgehen. Was immer es ist, ob archaischer Trieb oder numinose Macht – oder Beides: Er bleibt eine „condition humaine“ – genau genommen sogar eine condition biologique – die unseren Respekt verdient. Keine Angelegenheit für Geschäftemacher und Marktschreier. Auch wenn der alte Journalistenspruch „Sex sells!“ stimmt. Sex verkauft sich, weil alle Konsumenten hoffen, etwas über die eigenen Sehnsüchte zu erfahren. Eros ist noch nicht im Bezahlfernsehen angekommen. Seine Kommerzialisierung ist so absurd, wie Atemluft zu verkaufen.

Weil dies so ist, wurde zu allen Zeiten der Verkauf von Lebensgrundlagen als obszön empfunden. Daran können auch mehr als hundert Jahre Sigmund Freud nichts ändern, der diese Entwicklung sicher nicht so gedacht hatte. Er betrachtete seine Lehre ja als die zukünftige Religion. Wenn das so ist, dann sollte man ihr einen Tempel bauen, aber bitte keinen Marktplatz!

Literatur:

 Csikszentmihályi, Mihaly: Optimal experience: studies of flow in consciousness. Cambridge University Press 1988
Goethe, J. W.: Prometheus
Mosebach, Martin:. Die Häresie der Formlosigkeit. S. 24. dtb München 2012
Schiller, Friedrich: Wallenstein. Die Piccolomini, V,1/Octavio Piccolomini)
Weber, Max:. Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, 1. Aufl 1920, Bd. I, S. 204

 

(1) „…Nichts hindert uns anzunehmen, dass gewisse Archetypen schon bei Tieren vorkommen, dass sie mithin in der Eigenart des lebendigen Systems überhaupt begründet und somit schlechthin Lebensausdruck sind, dessen Sosein weiter nicht mehr zu erklären ist. Die Archetypen sind, wie es scheint, nicht nur Einprägungen immer wiederholter typischer Erfahrungen, sondern zugleich auch verhalten sie sich empirisch wie Kräfte oder Tendenzen zur Wiederholung derselben Erfahrungen. Immer nämlich, wenn ein Archetypus im Traum, in der Phantasie oder im Leben erscheint, bringt er einen besonderen „Einfluss“ oder eine Kraft mit sich, vermöge welcher es numinos, resp. faszinierend oder zum Handeln antreibend wirkt.“ (Jung, GW 7, § 109)

(2). „Bedecke deinen Himmel, Zeus, – Mit Wolkendunst! – Und übe, dem Knaben gleich, – Der Disteln köpft, – An Eichen dich und Bergeshöh’n! – Mußt mir meint Erde – Doch lassen steh’n – und meine Hütte – Die du nicht gebaut, – Und meinen Herd, – Um dessen Glut – Du mich beneidest. …“ …